Kurzurlaub Rom

Am Nabel der Welt

Trotz einer kurzen Nacht stehen wir bereits um 6:30 Uhr voller Tatendrang auf. Bei Christi hält sich dieser Drang in Grenzen, deshalb darf er noch bis 7:00 Uhr etwas weiter schlafen aber dann ist auch für ihn die Nacht vorbei und wir können ihn davon überzeugen, dass in Rom Morgenstund Gold im Mund hat.

Das Frühstücksbüffet im Hotel ist super — so schlagen wir uns bei gefühlten 15 Gängen die Bäuche voll — ist schließlich alles im Preis inbegriffen wink

Gegen 8:45 Uhr sind wir pappsatt und startklar und brechen bei sonnigem Wetter auf zu unserer ersten Erkundungstour. Auf eine Stadtrundfahrt haben wir vorerst verzichtet: wir planen soweit alle Sehenswürdigkeiten zu Fuß anzusteuern. Mal schauen, wie lange unsere Füße dieses Spiel mitspielen…

Für heute steht hauptsächlich das antike Rom auf dem Plan, also überqueren wir den Tiber an der Ponte Umberto und schlagen zunächst Richtung Pantheon ein.

Christi lotst uns mit einer Karte durch die engen Straßen und verwinkelten Gassen, was angesichts der vielen Autos, Vespas und natürlich Fußgänger nicht ganz einfach ist, aber er macht seine Sache prima und nach nur wenigen Minuten stehen wir schon an der Piazza Navona.

Hier ist um diese Zeit allerdings noch kaum etwas los — die Straßenkünstler fangen gerade erst an, ihre Stände aufzubauen und von dem Leben und Treiben, was hier normalerweise herrscht, ist noch nichts zu spüren.

Da wir auf dem Rückweg eh wieder hier vorbeikommen werden und heute noch Vieles vorhaben, bleiben wir nicht länger — nutzen allerdings die Gunst der frühen Stunde, um von Berninis Vier-Ströme-Brunnen ein Bild ohne die Menschenmassen zu schießen.

Die vier auf den Felsabsätzen lagernden Männerfiguren personifizieren die großen Ströme der damals bekannten Kontinente: Donau, Nil, Ganges und Rio della Plata.

Und auch für die merkwürdigen Verrenkungen der Figuren haben die Römer hübsche Erklärungen: der Nil verhüllt angeblich seine Augen, weil er sich die von Berninis Gegenspieler errichtete Kirche Sant’ Agnese nicht länger anschauen will und der Rio della Plata werfe seine Hände nach oben, weil er befürchte, das Gotteshaus werde gleich einstürzen wink


Weiter geht es dann zum Pantheon — dem einzigen vollständig erhaltenen Kuppelbau der Antike. Die perfekt proportionierte Kuppel über der Rotunde, durch die in einer kreisrunden Öffnung das Sonnenlicht einfällt und den Innenraum ausleuchtet, fasziniert uns unheimlich. Der Legende nach wurde das Loch in der Kuppel freigelassen, damit die Römer die Münzen herausholen konnten, die im Erdhügel unter der Kuppel vergraben waren.


Über den Palazzo Venezia gelangen wir zu den Kaiserforen, die von den römischen Kaisern angelegt wurden, als ihnen das Forum Romanum zu klein geworden war. Es war der Lebensmittelpunkt der alten Römer, aber der Zahn der Zeit hat hier schon mächtig genagt, und für Laien wie uns ist nicht mehr wirklich viel von der einstigen Pracht zu erkennen.

Von den Kaiserforen schlendern wir weiter in Richtung Kolosseum und genehmigen uns unterwegs bei angenehmen Temperaturen ein erstes italienisches Eis zu einem erstaunlich angenehmen Preis.

Am Kolosseum erwartet uns dann eine riesige Schlange, die Wartezeiten von mindestens 90 Minuten verspricht. Zum Glück haben wir vorgesorgt und uns bereits zu Hause Online-Tickets gekauft. Wir können also — nicht ohne ein Grinsen im Gesicht — an der Schlange vorbei spazieren und sind innerhalb von 10 Minuten in der riesigen Arena des Amphitheaters. 50.000 Schaulustige fanden hier früher Platz und man kann sich das Gedränge auf den Rängen und die kreischenden Massen, die sich an den Gladiatorenkämpfen ergötzen, noch gut vorstellen.

Direkt vor dem Kolosseum schauen wir uns den mächtigen Konstantin-Bogen an. Er gilt als der berühmteste römische Triumphbogen — errichtet von Kaiser Konstantin zur Erinnerung an seinen Sieg über Maxentius. Gleich daneben befindet sich auch noch der eher schlichte aber nicht minder schöne Titus-Bogen.

Ein paar Meter weiter kommen wir dann zum Eingang des Palatin. Unsere Tickets vom Kolosseum gelten auch hier und im angrenzenden Forum Romanum, so dass wir keine Zeit verlieren und uns die „Wiege Roms“ anschauen:

Der Legende nach wurde die Stadt 753 vor Christus auf dem Palatin durch Romulus gegründet. Wir wandern über den Palatin-Hügel und durch das Forum Romanum — eine gewaltige Ansammlung von Ruinen aus allen Epochen des römischen Imperiums — und versuchen dabei, uns mit viel Phantasie das Leben in der damaligen Zeit vorzustellen.

Als wir auf unserem weiteren Weg bei der Santa Maria in Cosmedin vorbeikommen, steht natürlich eine riesige Schlange vor dem Bocca della Verità — dem Mund der Wahrheit. Eigentlich wollten wir uns hier dem Lügendetektor-Test unterziehen, aber angesichts der Wartezeit verzichten wir darauf, unsere Hände durch den einstigen Schachtdeckel der Cloaca Maxima zu stecken und entgehen so möglicherweise auch einem Blutbad giggle

Stattdessen laufen wir noch ein Stück weiter zum Parco Savello, von wo wir inmitten von Pinien- und Orangenbäumen einen wundervollen Blick auf die Kuppel der Peterskirche, den Tiber und die Tiber-Insel haben. Das berühmte Schlüsselloch können wir aber leider nicht entdecken.

Mittlerweile ist es Nachmittag und Christis Magen fängt immer lauter zu knurren an. So überqueren wir den Tiber und suchen auf der anderen Seite eine nette kleine Trattoria, in der wir leckere Pasta bekommen und unseren Beinen eine kleine Verschnaufpause gönnen.

So langsam machen wir uns dann wieder auf den Rückweg und kommen dabei über den Campo de’ Fiori. Hier findet tagsüber Roms beliebtester Gemüsemarkt statt, wo zwischen Fisch und Obst über die Geheimnisse der römischen Küche und die letzten Fußballergebnisse diskutiert wird.

Wir sind leider etwas spät dran, denn die meisten Stände werden schon so langsam abgebaut.

Einen kleinen Eindruck bekommen wir aber trotzdem und auch italienische Pasta wandert über den Tisch — wobei uns die Auswahl angesichts der gebotenen Vielfalt nicht wirklich leicht fällt:


Nachdem wir für die nächsten Tage noch ein paar Getränke gekauft haben, betreiben Christi und ich im Hotel etwas „Fußpflege“, während Andreas — noch immer nicht ausgelastet — eine Runde laufen geht.

Am Abend gehen wir dann noch einmal zur Piazza Navona. Hier ist mittlerweile das Leben erwacht: Künstler stellen ihre Bilder aus, machen Musik und die Cafés und Restaurants wetteifern um die Gäste. Obwohl uns bewusst ist, dass die Preise hier alles andere als günstig sind, lassen wir uns doch von der Stimmung verführen und landen in einem der umliegenden Restaurants. Das Essen ist echt lecker aber das Preis-Leistungs-Verhältnis voll daneben und für morgen werden wir uns wohl etwas anderes suchen.

Auf dem Heimweg kommen wir an der Engelsburg vorbei und machen noch ein paar Bilder im abendlichen Glanz: